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Inipi, Schwitzhütte: meine Erfahrungen mit diesem uralten Ritual




Sauna is nicht meins. Das vorneweg platziert - an alle Sauna-LiebhaberInnen:

Eure Liebe zum Schwitzen und heißen räumlichen Temperaturen sagt nichts drüber aus, wie ihr das Ritual in einer Schwitzhütte erlebt.

Es hat nämlich auch für mich nichts ausgesagt, dass ich nicht Sauna-affin bin.


Aber mal zurück ein Stückerl.

Es war im Sommer diesen Jahres (2023). Der Mann und ich machten sich auf den Weg Richtung Klaffer und Böhmerwald. Einer der Wirkungsorte meiner Lehrerin Evi, der Urkraftweberin.


Am Gathering-Wochenende fanden 3 Schwitzhütten statt.

Vor der ersten war ich schwerst nervös. Der Umstand, dass wir schon um 4.00 morgens barfuß am Ritualplatz und vor der Hütte standen, hat nix dran gemildert.


Seit diesem Wochenende konnte ich dann noch an einer weiteren Schwitzhütte bei Evi teilnehmen. Jener am Initiationswochenende zur Medizinrockfrau. (Die Fotos hier sind dort entstanden. Geknipst hat meine Medizinrockschwester Michaela. Shout out zu ihr und dem Biohof Linden, wo sie und ihr Mann Gerhard im Rahmen ihres Vereins "Im ewigen Kreis des Lebens" unfassbar wertvolle schamanische und vernetzende Arbeit machen.)


Was ich hier zur Geschichte des Schwitzhüttenrituals weiter gebe, hab ich durch meine Lehrerin erfahren. Also nicht selbst recherchiert. Tatsächlich geht es mit der Schwitzhütte schließlich um einen Erfahrungsraum und nicht darum zu Wissen.

Dennoch finde ich es wertvoll zu teilen:


Es heißt, dass die Schwitzhütte ein Geschenk der Frauen an die Männer der Stämme war. Solange wir Frauen noch in unserem menstruellen Zyklus monatlich Bluten, haben wir jedes Monat eine kleine Schwitzhütte in uns, die uns reinigt. Und nachdem Männer diese Möglichkeit von Natur aus nicht haben, wurde die Schwitzhütte als Reinigungsritual ursprünglich für die Männer visioniert.


Das gemeinsam Sitzen und Schwitzen gab es wohl in vielen unterschiedlichen Kulturen. In unserem europäischen Raum vermutet man, dass wir eher in Höhlen mit Abzug gesessen haben, als in zeltähnlichen Gebilden für diesen Reinigungseffekt.



Aufbau einer Schwitzhütte


Bevor das Schwitzhüttenritual beginnt, wird die Hütte, als auch der Feuerplatz meistens gemeinsam vorbereitet. So habe ich es kennen und schätzen gelernt. Man erhält auch eine tiefere Achtung davor, weil man von Anfang an daran mitwirkt.


Der Feuerplatz wird also erst mal gereinigt. Alles was darin liegt raus gesäubert. Grünzeug (Gras, Wildkräuter etc.) das rundherum oder gar schon in die Feuerstelle rein wächst, wird entfernt. So auch im Verbindungsgang zwischen Feuer und Hütteneingang.

Die Energie soll möglichst klar und ungehindert fließen können.

Danach wird die Feuerstelle mit Blüten und Kräutern oder auch Früchten geschmückt.

Bei uns Medizinrockfrauen sah das dann wunderbar üppig aus (es sieht nicht nur schön aus, sondern es sind wertschätzende Dankesgaben, die das Feuer auch nähren!):




Wenn der Ritualplatz gereinigt und geschmückt ist, wird das Feuer vorbereitet.

Es gibt immer (zumindest) einen Feuermann oder eine Feuerfrau, die das Feuer hütet und ihm dient.

Gemeinsam mit diesem Feuermensch, wird nun auf der geschmückten Feuerstelle das Holz in einer bestimmten Weise aufgeschlichtet. Darauf werden die Schwitzhüttensteine, also jene Steine, die im Feuer bis zum Glühen erhitzt werden, gelegt und mit einer Kraft, einer Widmung, einer Ausrichtung, einem Dank besprochen. (Im Bild oben siehst du wie ich einen Stein aufschlichte.)


Die Steine glühen tatsächlich und werden dann vom Feuermenschen über die Verbindung von der Feuerstelle bis zur Schwitzhütte getragen. (Mit einer großen Gabel.) In der Schwitzhütte werden sie dann in die Mitte in eine Vertiefung gelegt und heizen so, nach und nach den Raum auf.





Symbolik im Schwitzhüttenritual


Da ist nicht nur ein zeltartiges Gebilde und davor brennt ein Feuer.

Remember? Es ging ja ursprügnlich darum die heilige, transformierende Kraft des Feuers allen Menschen zugänglich zu machen.

Hier arbeitet also tiefere Bedeutung mit, die es in sich hat und die mich immer mehr mit Ehrfurcht hinterlässt. (Ich bin den Hütern und Hüterinnen dieses alten Weges sehr dankbar, dass sie dieses Ritual bis in unsere Zeit erhalten haben.)


Das Feuer ist das Männliche. Die Steine die Samen, die in die (kosmische) Gebärmutter oder die Gebärmutter der Mutter Erde gebracht werden und sich dort einnisten, um Fruchtbares zu Erschaffen. - In uns (die wir in der Hütte sitzen) und durch uns und ums uns.



Wie läuft eine Schwitzhütte ab?


Tatsächlich gibt es nicht diese EINE Art wie Schwitzhüttenleiter ihre Hütten abhalten.

Meine Lehrerin arbeitet hier sehr klar mit der überlieferten Tradition der Lakota.


Wir gehen weiß bekleidet und frisch geduscht in die Schwitzhütte.

Sowieso wird der Schwitzhüttenplatz nur barfuß betreten. Also logo, auch in der Schwitzhütte mit nackten Füßen.

Es wird am Schwitzhüttenplatz dann nicht mehr gesprochen.

Wir werden aberäuchert und gehen dann von rechts zum Eingang der Schwitzhütte, wo wir uns auf alle Viere begeben und bewusst mit einem "Aho Mitakuye Oyasin" in die Hütte kriechen.


Die Hütte ist niedrig. Wenn viele Menschen am Ritual teilnehmen, ist es auch sehr kuschelig. Sobald die Tür der Hütte zu ist, isses auch zappenduster (außer dem Glühen der Steine).

Es ist also kein Schwitzen wie in der Sauna.

"Inipi" ist ein über Generationen um Generationen bewahrtes Ritual zur Läuterung. Also "Dinge" kommen womöglich an die Oberfläche. Und zeitgleich ist diese intensive Erfahrung etwas so unbeschreiblich Wertvolles, das dich so sehr erhebt.


Insgesamt gibt es 4 Runden während eines Schwitzhüttenrituals.

Alle Teilnehmenden begeben sich also in die Hütte. Die leitende Person gibt dem Feuermenschen vor, wie viele Steine in die Hütte gebracht werden sollen. Dann wird ein Kübel mit Wasser (das später auf die Steine becher- oder tropferlweise auf die Steine gegossen wird) in die Hütte gestellt und die Türe verschlossen.


Während einer Runde kann gesprochen, gesungen, gerasselt, getönt werden. Die Leiterin hat feine Antennen und selbst genug Erfahrung, um zu wissen, wie sie die Teilnehmenden durch die jeweiligen Runden leitet.

Nach jeder Runde wird die Türe geöffnet und Teilnehmende können die Hütte verlassen. - Sie werden draußen von jemanden in Empfang genommen, mit Wasser versorgt und eventuell zugedeckt (je nach Witterung und Bedürfnis).


Wenn man mal raus ist, ist man raus. Nach Tradition der Lakota geht man dann nicht wieder in die Hütte. Aber man ist weiterhin Teil des Rituals und sitzt etwa am Feuer oder geht Duschen.


Nach jeder Runde werden weitere Steine in die Hütte gebracht und so geht es weiter, ohne auf die Uhr zu sehen, rein nach Gefühl und sich-leiten-Lassen, bis das Ritual irgendwann beendet ist.



Mein Schwitzhütten-Fazit


Meine allererste Wortmeldung nach meiner allerersten Schwitzhütte war "Ich kann nicht verstehen, wie jemand freiwillig da rein geht."

Stell dir vor, jetzt bin ich Eine, die da voll freiwillig rein geht. :D


Es ist sooo ein Grenzgang. Nein, eigentlich ist es etwas, das die eigenen Grenzen aufsprengen kann. Fordernd und gleichzeitig so behütet.

Für mich steckt auch ganz viel Aussöhnen mit der Urweiblichkeit in mir darin.

Ich glaube, das sehr vieles letztendlich zu einem guten Heilsein finden kann, mit dem Schwitzhüttenritual.

Dennoch gibt es natürlich auch Ausnahmen, wo jemand nicht an einem so intensiven Reinigungsritual - mit Feuer und Enge und Dunkelheit - teilnehmen sollte.


Da ist es definitiv wichtig über Ängste oder auch diagnostizierte psychische "Engstellen" offen mit dem Leitenden der Schwitzhütte zu sprechen.


Wenn dich die Schwitzhütte nach Tradition der Lakota ruft, findest du bei Evi Schwitzhüttentermine auf ihrer Webseite. Oder du recherchierst mal, wo es Angebote in deiner näheren Umgebung gibt und nimmst dort Kontakt auf.


🙏🏻


Alles Liebe,

Nina Rebekka

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